Das führende Nachschlagewerk für Integrierte Logistik seit 1987

Robotik als Antwort auf das Dilemma im Lebensmitteleinzelhandel

Drucken

Da Neueinsteiger im Arbeitsmarkt nur ungern im Lager arbeiten möchten, wird es für Lebensmitteleinzelhändler immer schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Kollaborative Robotik kann dieses Problem lösen, das Fundament hierzu wurde bereits gelegt.

Kommissionierung aus dem Durchlaufregal bei EDEKA Südwest Fleisch.

Im Lebensmitteleinzelhandel von heute sind die Erwartungen der Verbraucher so hoch wie nie zuvor. Online-Shopping beflügelt nicht nur die Expansion der Distributionszentren (DCs), sondern schafft auch aufregende Gelegenheiten, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, um die steigende Nachfrage zu erfüllen.

Eine Verlagerung von linearen Wertschöpfungsketten hin zu Wertschöpfungsnetzen scheint eine sinnvolle Lösung zu sein, um auf die Lifestyle-Präferenzen der Gesellschaft zu reagieren. Eine der wichtigsten Herausforderungen der Industrie im nächsten Jahrzehnt besteht jedoch im Zugriff auf qualifizierte und engagierte Arbeitskräfte.

In einem aktuellen Bericht des McKinsey Global Institutes wurden die Auswirkungen der Automatisierung auf den Arbeitsplatz bewertet und dabei analysiert, wie die Technologie potenziell die «vorhersehbaren» Aktivitäten übernehmen kann, die von Menschen ausgeführt werden. Einer der identifizierten Faktoren, die einen Einfluss auf die Geschwindigkeit der Automatisierung haben, war die «Arbeitsmarktdynamik» im Hinblick auf «Angebot, Nachfrage und Kosten menschlicher Arbeitskräfte als Alternative zur Automatisierung1».

Der Bericht betont das Automatisierungspotenzial auf einer geografischen Ebene. Vor diesem Hintergrund stellt McKinsey fest, dass «das technische Automatisierungspotenzial der weltweiten Wirtschaft beachtlich ist». Der Bericht besagt auch, dass «Automatisierung notwendig ist, um die globale Produktivität voranzutreiben und das BIP anzuheben», und das ist eine Aussage, die sich nur schwerlich ignorieren lässt.

Durch die Automatisierung einer beliebigen Anzahl von Verfahren innerhalb eines DCs ist es tatsächlich jetzt schon möglich, die operative Effizienz zu steigern, die Ergonomie zu verbessern, Kommissionierfehler zu reduzieren und Vorlaufzeiten zu verkürzen. Derartige Markttrends wurden bereits von Vanderlandes Director Food Retail, Remko van Gils, analysiert: «Ich glaube, wir werden Zeuge der Automatisierung aller DC-Verfahren werden. Alternativen für die schwindende Zahl an Arbeitskräften zu finden, wird unsere Kunden vor ganz besondere Herausforderungen stellen.»

«Wir werden in den nächsten fünf bis zehn Jahren zum Beispiel einen Rückgang der Anzahl an Personen sehen, die einen Lastkraftwagen fahren möchten – und das ist ein wichtiger Teil der Lieferkette. Damit wird es notwendig, proaktiv zu handeln und so fortschrittliche Technologien wie fahrerlose LKW zu erkunden. Wir können uns jedoch schon jetzt die Automatisierung innerhalb der DCs ansehen.»

Kollaborative Robotik

Für viele in der Branche erscheint die Robotertechnik der Schlüssel zu sein, um dieser Herausforderung zu begegnen. Ein aktueller Bericht im Wall Street Journal von Robbie Whelan2 hebt die potenziellen Auswirkungen der Robotertechnik auf den Lebensmitteleinzelhandel in den USA hervor. In den meisten Fällen waren Automatisierung und Robotik entscheidende Faktoren bei der Reduktion der Kosten für Arbeit, Zeit und Footprint. Whelan zufolge sind jedoch nur 8 % der DCs, die sich im Besitz der grössten nordamerikanischen Lebensmitteleinzelhändler befinden, teilweise oder vollständig automatisiert.

Im Laufe der nächsten Jahre wird in Anbetracht der steigenden Arbeitskosten – in Verbindung mit einer rückläufigen Zahl an Arbeitskräften – ein technologischer Paradigmenwechsel erwartet. Hierdurch wird es für Lebensmitteleinzelhändler in der ganzen Welt sehr schnell erforderlich werden, die einzelnen Prozesse in ihren Lieferketten zu robotisieren. Whelan argumentiert, dass sich die Einstellung bereits jetzt ändert und durch den intensivierten Wettbewerb eventuell auch der Widerstand, in Automatisierung zu investieren, zugunsten einer erneuten Nachfrage nach Innovationen weichen wird.

Es zeichnet sich eine Reihe von Lösungen ab, die den Händlern dabei helfen kann, diese Lücke für die zukünftige Produktion zu überbrücken, wie van Gils erläutert: «Wir verfügen bereits über bewährte Technologien, und es ist möglich, einen beachtlichen Anteil der Lieferkette mit unserer Kartonkommissionierlösung (Automated Case Picking – ACP) robotergestützt abzudecken. Hierbei werden Produktgruppen automatisch (de)palletiert. Es ist nicht nur so, dass die Technologie bereits existiert, sie wird auch immer vorherrschender werden.»

Das ACP von Vanderlande – automatische Zusammenstellung von Mischpaletten für den Einzelhandel.

Allmähliche Integration

In dem Masse, in dem sich die Einstellung ändert, wird der Staffelstab nach und nach an die Robotertechnologie übergeben werden. «Langfristig betrachtet glauben wir, dass Lebensmitteleinzelhändler keine Arbeiter mehr in einem DC benötigen, in dem kollaborative Roboter installiert sind. Dies wird jedoch Zeit benötigen, denn die Prozesse in einem DC verändern sich langsam. Es ist leicht vorstellbar, dass die Anzahl an Personen pro Arbeitsstätte in den nächsten fünf Jahren gleichzeitig mit dem Mangel an Arbeitskräften zurückgehen wird», so van Gils.

Wenn immer weniger junge Leute im Lager beschäftigt sein möchten, wird der Automatisierungswunsch letztendlich immer mehr Auftrieb bekommen. «Die Branche muss anfangen, Lösungen zu entwickeln», fügt van Gils hinzu. «Wir sind dabei, proaktiv eine Antwort zu definieren – in diesem Fall ist es die Robotik. Der nächste Schritt besteht in der progressiven Implementierung dieser Lösungen, bei der Menschen und kollaborative Roboter anfangen, nebeneinander zu arbeiten.»

Zu Beginn wird ein zusätzlicher Roboter an einem manuellen Arbeitsplatz den Bedarf an manueller Arbeit nicht vollständig beseitigen. Heute bereits vorhandene Roboter sind nicht in der Lage, alle Aufgaben der Menschen auszuführen. Sie werden sich im Laufe der Zeit jedoch weiterentwickeln, mehr Arbeit übernehmen und menschliche Bediener in die Lage versetzen, mehrere Roboter zu unterstützen. Die wichtigsten Triebfedern werden weiterhin die Verfügbarkeit des Personals und der Bedarf, tagtägliche Lieferungen zu erfüllen, sein.

Während die Technologie weiter voranschreitet, besteht die Möglichkeit, den Roboteransatz zu verfeinern, und zwar für die einzelnen Verfahren und Produktgruppen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es zunächst eine schrittweise Investition in kollaborative Roboter durch die Installation einer geringen Anzahl an Robotereinheiten geben wird, zum Beispiel für Kommissionieraufgaben.

Einer der einzigartigen Vorteile für Lebensmitteleinzelhändler, die in kollaborative Roboter investieren, ist ihre Anpassungsfähigkeit. Es wird prognostiziert, dass Roboter, während sich ihre Algorithmen verbessern, nach und nach immer mehr «lernen» werden, dass ihre Fähigkeiten zunehmen und sie die vollständige Funktion einer Person innerhalb eines Lagers übernehmen können. Mit dem höheren Automatisierungsbedarf wird die Nachfrage nach neuen Lösungen rapide steigen. Eine bessere Marktakzeptanz wird in der Folge zu Mengenwachstum führen, und damit werden neue Technologien preislich wettbewerbsfähiger werden.

Aufregende Chancen

Da die Roboter von heute lernen, immer mehr Verfahren und Produktarten zu handhaben, ist eine intelligente Integration von ausschlaggebender Bedeutung. Damit wird auch der nahtlose Übergang zu robotisierter Logistik möglich, während der bestehende Lagerbetrieb ungestört weiterlaufen kann.

Kollaborative Roboter können darüber hinaus so nachgerüstet werden, dass sie manuelle Arbeitsplätze übernehmen. In diesem Zusammenhang können die Roboter von heute bestimmte Aufgaben übernehmen, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass der manuelle Betrieb jederzeit wiederaufgenommen werden kann. Mit diesem Ansatz wird es sogar möglich, robotergestützte individuelle Artikelkommissionierlösungen zu entwickeln.

«Die Robotik wird in den nächsten paar Jahren ein zentrales Thema sein, und Lebensmitteleinzelhändler sollten dies als aufregende Chance betrachten», schliesst van Gils. «Der Vorteil der Ideen, die wir entwickeln, besteht darin, dass wir mit ACP bereits in der Lage sind, die Kernprozesse, die mit dem Produktfluss in Verbindung stehen, von Robotern übernehmen zu lassen. Als Generalunternehmer haben wir bereits begonnen, die Bereiche, in denen Roboter wertvolle Dienste leisten können, zu analysieren und hoffen, dass die Händler den nächsten Schritt mit uns gehen möchten.»

Smart Item Robotics von Vanderlande – Zukunft, die bereits begonnen hat.

1 A Future That Works: Automation, Employment and Productivity – McKinsey & Company

2 Fully Autonomous Robots: The Warehouse Workers of the Near Future – Robbie Whelan (The Wall Street Journal)


Vanderlande Industries GmbH

Krefelder Strasse 699

D-41066 Mönchengladbach

Telefon+49 2161 6800 0
Fax+49 2161 6800 100
info.de@vanderlande.com
www.vanderlande.com